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Das Sonnenvitamin – Vitamin D

 

Schlagworte: Cholecaliferol, Ergocalciferol, Vitamin D2, Vitamin D3, Vitamine


In der größten europäischen Altersstudie “ DO HEALTH“ wurden folgende Daten erfasst: Die Zahl der Europäer im Alter von 70 und älter, wird bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 40% steigen, ebenso die Zahl der chronisch Kranken. Daher gilt es, therapeutische Interventionen in der Prävention zu finden, die im Alter wirksam, erschwinglich und gut verträglich sind.

Zu den vielversprechendsten Interventionen, die diesen Bedarf decken, gehören Vitamin D, marine Omega-3-Fettsäuren und körperliche Bewegung. 

Bereits 2010 konnte ein breiter Vitamin D Mangel festgestellt werden:  50% der Erwachsenen hatten einen 25-Hydroxyvitamin-D(25[OH]D)-Schwellenwert unter 50 nmol/l und 70% unter 75 nmol/l. Bemerkenswert ist, dass in der europäischen SENECA-Studie 36% der älteren Männer und 47% der älteren Frauen 25 (OH) D-Serumkonzentrationen unter 30 nmol / l aufwiesen. Dies stimmt auch mit den Ergebnissen neuerer Studien überein.

Ein Vitamin-D-Mangel mit 25 (OH) D-Blutspiegeln unter 30 bis 50 nmol / l ist für die öffentliche Gesundheit ein großes Problem, da sich in großen Kohortenstudien zeigt, dass damit ein erhöhtes Risiko an ein altersbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frakturen, Stürze, Demenz und Magen-Darm-Krebs einhergeht. 

Menschen ab dem 70. Lebensjahr gelten, aufgrund eines altersbedingten Rückgangs der hautbasierten Vitamin D Produktion, als besonders anfällig für einen Vitamin D Mangel.

Auch in der Ernährung treten weniger Nahrungsquellen mit Vitamin D auf.

Niedrige Serumspiegel von Vitamin D, Selen und Zink sind augenscheinlich auch bedeutende Risikofaktoren für eine COVID – 19 Infektion. Verschiedene Beobachtungsstudien konnten einen signifikanten Zusammenhang zwischen einem niedrigen 25 (OH) D Spiegel und der Anfälligkeit für eine COVID – 19 Infektion feststellen. 

Darüber hinaus waren auch die Serumspiegel von Mineralstoffen wie Zink und Selen wichtig. 

Eine Vitamin D Insuffizienz und eine – Defizienz sind ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit: Weltweit haben ca. 40% der Menschen eine Vitamin D Defizienz mit einem Serumspiegel von 25 (OH) D unter 20 ng/ml. Rund 60% haben eine Vitamin D Insuffizienz von 20 – 29 ng/ml, ein Vitamin D Serumspiegel von über 30 ng/ml gilt als suffizient, der bevorzugte Bereich liegt zwischen 40 – 60 ng/ml. Adipöse Menschen brauchen 2-3 mal mehr (Endocrine Society). 

Schätzungsweise leiden weltweit Milliarden von Menschen in allen Volks – und Altersgruppen an einem Vitamin D Mangel. Dies kann teilweise auf die Lebensstilweise aber auch auf verschiedene Umweltfaktoren zurückgeführt werden. 

Vorkommen in der Nahrung

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das relativ stabil Hitze gegenüber ist. Es kann aber, durch Sauerstoff – und Lichteinwirkung geschädigt werden. Zubereitungsverluste durch das Kochen sind zu vernachlässigen, da  durch die Ernährung nur ein geringer Teil der täglichen Aufnahme gedeckt werden kann. 

In tierischen Lebensmitteln ist Vitamin D in Form von Cholecalciferol (Vitamin D3)  oder als Provitamin zu finden. 

Höhere Vitamin D Konzentrationen enthalten Lebertran und fettreiche Fische wie Lachs oder Hering. Geringere Mengen weisen Eigelb, Milch und Milchprodukte auf. Vegetarische Quellen sind Hefen, Pilze, Spinat und einige Kohlgemüse. Sie enthalten Spuren von Ergosterol (Vitamin D2). 

Physiologische Effekte

  • Knochenstoffwechsel: Vitamin D trägt zur Regulation des Calcium- und Phosphathaushaltes bei, sowie zur Härtung des Knochens
  • Herz- Kreislauf: es hat eine antithrombotische Wirkung durch die Aktivierung von Thrombomodulin und führt auch zu einer Senkung des Blutdruckes
  • Bauchspeicheldrüse: die Funktion der Beta Zellen (Insulinsekretion) wird aufrechterhalten, die Zellen der Bauchspeicheldrüse werden geschützt
  • Immunsystem: Die Fresszellen werden stimuliert, es kommt zu einer Hemmung von entzündungsfördernden Zytokinen und zu einer Förderung von entzündungshemmenden Zytokinen
  • Haut: Vitamin D beeinflusst die Reifung der Keratinozyten

Referenzwerte

Ein erhöhter Bedarf entsteht bei:

  • Säuglingen, Kleinkindern
  • Alter
  • Malabsorption (chronische entzündliche Darmerkrankungen, Kurzdarmsyndrom, Pankreasisuffizienz)
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Asthma bronchiale
  • COPD
  • Diabetes mellitus
  • multiple Sklerose

Besondere Risikogruppen trotz eines Mangels sind:

  • Vegetarische/vegane Kost
  • Personen mit dunkler Hautfarbe
  • Bewohner von Alters- und Pflegeheimen
  • chronische Krankheiten

Vitamin D nimmt unter allen Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es sowohl über die Ernährung, als auch durch die UVB Lichtexposition zugeführt wird. Die Zufuhr über die Ernährung alleine reicht nicht aus, um eine gewünschte Versorgung von mindestens 50 nmol/l zu erreichen. 

Sicherheit des Nährstoffes

UL, langfristige Aufnahmemenge, bei der keine negativen Einflüsse auf die Gesundheit zu erwarten sind: 100 ng/Tag = 4000 IE laut EFSA 2012

NOAEL, maximale Aufnahmedosis, die in Studien keine schädigende Wirkung verursachte: 250 ng/Tag

Vitamin D Synthese

Die fettlöslichen Vitamine D und A unterscheiden sich von anderen Vitaminen dadurch, dass sie hormonähnliche Eigenschaften aufweisen. Beide dieser Steroidhormone werden über verschiedene Zellen und Körpergeweben aus ihren Vorläuferzellen synthetisiert und entfalten ihre vielfaltige Wirkung auf die Zielzellen durch die Bindung an Kernrezeptoren wie den Vitamin D Rezeptor (VDR) oder die Retinsäure Rezeptoren (RXR, RAR). Beispielsweise wurden Vitamin D Rezeptoren in über 35 Geweben gefunden, dazu zählen die Endothelzellen, Immunzellen (Monozyten, T- Lymphozyten), Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, hämatopoetische Zellen, Herz – und Skelettmuskelzellen, Neuronen und Plazentazellen. 

Vitamin D wird nicht nur über die Nahrung aufgenommen , sondern auch über die Haut unter der Einwirkung von UVB Strahlung.  In weiteren Stoffwechselschritten entstehen in der Leber und in der Niere über Cholecalciferol (Vitamin D3) die biologisch aktiven Formen, vor allem Calcitrol.

Die Aufnahme über die Haut ist von verschiedene Faktoren abhängig:

  • Sonnenstand, bzw. Einfallswinkel der Sonne. In den Wintermonaten ist nördlich des 42. Breitengrades keine Vitamin D Bildung über die Haut möglich
  • auch im Sommer reicht die Strahlung nach 16 Uhr nicht mehr aus. Um Vitamin D zu bilden, sollte man in der Mittagspause in die Sonne gehen
  • auch Faktoren wie Kälte, ein fortgeschrittenes Alter, ein dunkler Hauttyp oder auch die Verwendung von Lichtschutzfaktoren, beeinträchtigen die Vitamin D Produktion. So ist die körpereigene Produktion bei der Verwendung von Sonnenschutzcremes mit einem Lichtschutzfaktor über 8 fast zur Gänze ausgeschaltet. 

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Supplementierung von Vitamin D bei einer fehlenden Eigensynthese (Wintermonate, Bettlägerigkeit).

Erwartungsgemäß ist auch in Europa der Vitamin D Mangel vor allem in den Wintermonaten stark ausgeprägt sein, hauptsächlich bei älteren Menschen oder Migranten. Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe absorbieren im Melanin ihrer Haut mehr UVB- Strahlung als Menschen mit heller Haut, und benötigen daher mehr Sonnenlichtexposition, um dieselbe Menge an Vitamin D herzustellen.  Bei älteren Menschen lässt sich auch eine deutlich altersbedingte Abnahme der Vitamin D Produktion in der Haut beobachten. 

Mehrere Studien bestätigen auch die Prävalenz einer Vitamin D Insuffizienz in der europäischen Bevölkerung und einem damit verbundenen Gesundheitsrisiko. 

Es ist unrealistisch zu glauben, dass der Vitamin D Spiegel im Sommer durch Aktivitäten im Freien angehoben werden kann, sodass er den ganzen Winter über erhalten bleibt. Die Halbwertszeit von 25 (OH) beträgt 2 – 3 Wochen, die Serumspiegel fallen innerhalb von 1-2 Monaten nach Oktober, weil das Sonnenlicht bei den Einwohnern nördlich des 34. Breitengrades Nord in der Haut kein Vitamin D produziert. Eine Supplementierung mit 2.000 bis 4.000 IE Vitamin D pro Tag, hebt die 25 (OH) D- Werte im Serum auf über 30 ng/ml an. 

Vitamin D und Atemwegsinfektionen

Gerade akute Atemwegsinfektionen sind eine Ursache für häufige Arztbesuche und auch für eine globale Morbidität und Mortalität.

Die Epithelzellen in den Atemwegen sind die erste Abwehrbarriere im Respirationstrakt und spielen eine wichtige Rolle bei der Koordinierung von Neutrophilen und Makrophagen zur Bekämpfung eingedrungener Erreger. 

Es wird vermutet, dass die saisonalen Schwankungen des Vitamin D Spiegels, eine höhere Prävalenz von Atemwegsinfektionen erklären können. Diese These unterstützen auch mehrere Interventionsstudien. 

Vitamin D und COVID – 19

Bei COVID – 19 Patienten liegt häufig eine Vitamin D Insuffizienz oder ein Vitamin D Mangel vor. Sie korreliert auch mit einem schweren Verlauf einer COVID – 19 Infektion.

Auch Entzündungen und oxidativer Stress spielt eine wichtige Rolle in der Virusreplikation und dem Fortschreiten der Erkrankung. Ein Vitamin D Mangel vermehrt den oxidativen Stress, beeinträchtigt die Funktion der Mitochondrien und verstärkt auch systemische Entzündungen. 

Als einer der wichtigsten Regler moduliert Vitamin D systemische Entzündungen, die mitochondriale Atmungskettenfunktion und den oxidativen Stress. 

Vitamin A und D spielen eine besondere Bedeutung für die Barrierefunktion von Schleimhäuten in den Atemwegen, im Darm oder im Urogenitaltrakt. 

Auch diverse Vertreter der Darmmikrobiota helfen beim Schutz vor Atemwegsinfektionen. Vitamin D moduliert die Darmmikrobiota, wodurch die Darmpermeabilität und auch der Entzündungszustand verringert werden können. 

Die Supplementierung von Vitamin D vermehrt die Biodiversität des Darmmikrobioms, was die Widerstandfähigkeit gegenüber Stressoren und Darmentzündungen verbessert. 

Empfehlungen für die Praxis

Prävention:

Um das Risiko viraler Atemwegsinfekte zu reduzieren, sollte bei älteren Menschen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen der Vitamin D Spiegel laut der Endocrine Society substituiert werden.

Eine Substitution von 2.000 – 4.000 IE pro Tag, hebt die 25 (OH) D- Werte im Serum auf über 30 ng/ml an.

Ausgehend von den vorliegenden Daten, können Blutwerte des 25 (OH) D- Spiegels von bis zu 60 ng/ml, das Infektionsrisiko um ganze 54% reduzieren kann. 

Literatur

Gröber, U. et al. (2020):Corona, Influenza & Co. – Stellenwert von Nährstoffen bei virusbedingten Atemwegserkrankungen, OM – Zs.f. Orthomol. Med. 18:6 -12

Gröber, U. (2020): COVID – 19 – Update für Senioren: Die Anti- SARS- CoV- 2 Eigenschaften ausgewählter Mikronährstoffe, Zs. f. Orthomol. Med. 18: 5-14

Gröber, U. (2020): Vitamin D: Vom Sonnenvitamin zum Sonnenhormon, Zs. f. Orthomol. Med. 18: 28-32

Gröber, U. Kisters, K. (2018). Vitamin D niemals ohne Vitamin K2 – Imperativ oder Konjunktiv, EHK 67: 226-230

Gröber, U. (2021): COVID – 19 und Long COVID Bessere Resilienz durch immunrelevante Mikronährstoffe, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1. Auflage, S: 22- 35

Neidler, S. (2021): Handbuch der wichtigsten Mikronährstoffe, S. 30 – 32

Schmiedl, V. (2019): Nährstofftherapie, Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie, S: 153 – 157, 4. Auflage, Thiemeverlag

CORDIS Forschungsprojekte der EU (2016): Lebensmittelbasierte Lösungen für  eine optimale Vitamin D Ernährung und Gesundheit über den gesamten Lebenszyklus, eingesehen am 17.12.2021 unter

Final Report Summary – ODIN (Food-based solutions for Optimal vitamin D Nutrition and health through the life cycle) | FP7 | CORDIS | European Commission (europa.eu)

Kiely, M. Cashman KD: Zusammenfassung der Ergebnisse des ODIN – Projekts zur Anreicherung von Lebensmitteln zur Prävention von Vitamin D Mangel. Int J Environ Res Public Health. 2018; 15 (11): 2342. Veröffentlicht 24. Oktober 2018

Shakoor h, Feehan J, AI Dhaheri AS, et al. Immunstärkende Rolle der Vitamine D, C, E, Zink, Selen und Omega 3 Fettsäuren: Könnten sie gegen COVID helfen? Maturitas.2021;143:1-9. 

Final Report Summary – DO- HEALTH Vitamin D3- Omega 3- Heimgymnastik – HeALTHy Alterungs- und Langlebigkeitsstudie, eingesehen am 17.12.2021 unter

VitaminD3-Omega3-Home Exercise- HeALTHy Ageing and Longevity Trial | DO-HEALTH Project | Fact Sheet | FP7 | CORDIS | European Commission (europa.eu)

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Der Allrounder – Vitamin C

Der Allrounder – Vitamin C

Schlagworte: Acerola, Acerolakirsche, Ascorbinsäure, Acsorbylpalmitat, Calciumascorbat, Calciumthreonat, Camu- Camu, Camu- Camu Fruchtextrakt, Ester C, L- Threonat, Malpighia glabra, natürliches Vitamin C

Vorkommen

Eine in Europa und Nordamerika durchgeführte Studie hat ergaben, dass eine Hypovitaminose ( unter 23 – 28 nmol/l) oder eine unzureichende Zufuhr über die Ernährung (unter 50 nmol/l) in westlichen Bevölkerungen relativ häufig vorkommt. Nationale Erhebungen zu Diät und Ernährung haben ergeben, dass  die Aufnahme von Vitamin C mit der Nahrung oft nur suboptimal ist.

In den USA, Deutschland und den Niederlanden halten sich über 50 – 75% nicht an die angegebenen täglichen Empfehlungen für Vitamin C. Gründe dafür waren:

  • wirtschaftliche (niedriger sozioökonomischer Status, begrenzter Zugang zu mikronährstoffreichen Nahrungsmitteln)
  • falsche Ernährungsgewohnheiten
  • Lebensstil, der die Zufuhr einschränkt oder den Vitamin C Verbrauch erhöht z. B bei Drogen – oder Alkoholmissbrauch
  • Exposition gegenüber Schadstoffen und Rauch (aktiv als auch passiv)
  • verschiedene Krankheiten wie Infektionskrankheiten oder Diabetes

Während Tiere Vitamin C selbst synthetisieren können, ist der Mensch auf die Zufuhr von außen angewiesen. Vitamin C ist ein wasserlösliches Vitamin und ist sowohl in pflanzlichen, als auch in tierischen Nahrungsmitteln weit verbreitet. Eine Zufuhr von 200 mg Vitamin C pro Tag über die Nahrung ist ausreichend, um beim gesunden Menschen eine Immunzell – und Plasmakonzentration aufzusättigen, und sollte den erhöhten Bedarf zur Reduktion des Risikos von chronischen Krankheiten abdecken. T- Lymphozyten und andere immunkompetente Zellen können Vitamin C speichern. Die Vitamin C Konzentration in den Zellen ist 10 – 100 mal höher, als im Blut. Um solche Werte zu erreichen, müssen gesunde Menschen etwa 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag verzehren oder als Nahrungsergänzungsmittel supplementieren. 

Bei den tierischen Lebensmittel liefern besonders die Nebennieren und die Leber die höchsten Konzentrationen, im Pflanzenbereich sind es sowohl frische Früchte, natürliche Frucht – und Gemüsesäfte. 

Besonders hohe Dosen an Vitamin C enthalten die Acerolakirschen, Sanddorn, Paprika, Brokkoli, grünes Blattgemüse, Kiwi und Zitrusfrüchte.

Vitamin C ist stark oxidationsempfindlich. Hitze, Licht, Metallionen (Töpfe) und alkalische Medien (z. B Natron) gehen mit einer ganzen oder teilweise Zerstörung des Vitamins einher. Selbst bei einer schonenden Mahlzeitenzubereitung ist mit Verlusten von rund 30% zu rechnen. 

Physiologische Effekte

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist nicht nur ein bedeutendes Antioxidans, sondern auch für die angeborene und erworbene Immunität unerlässlich. Diverse Aspekte der Immunität, darunter auch die unterstützende, epitheliale Barrierefunktion, Endothelschutz, Phagozytose, die Wanderung der weißen Blutkörperchen zu den Infektionsherden, die Keimabtötung und die Antikörperproduktion, werden durch Vitamin C beeinflusst. Auf der humoralen Ebene unterstützt Vitamin C die Antikörperproduktion (IgA und IgM) und das Komponent C3 im Blut. Es steigert die Interferonproduktion und die Abwehrmechanismen gegen virale Infektionen. Auch die Lymphozyten werden durch Vitamin C angeregt. 

Hier die wichtigsten Aufgaben im Überblick:

  • Antioxidans: es schützt die Zellen vor dem oxidativen Schäden durch die freien Radikale, recycelt verbrauchtes Vitamin E 
  • Immunsystem: es schützt die Membran der Fresszellen vor oxdiativen Schäden und aktiviert das Komplementsystem. Bei Erkältungen kann eine rechtzeitige und hohe Vitamin C Supplementierung die Krankheitsdauer bei Erwachsenen und Kindern signifikant verbessern. Durch eine hochdosierte Gabe, lässt sich ein Abfall der Vitamin C Konzentration in den weißen Blutkörperchen vermeiden. Da Ester C in den weißen Blutkörperchen zurückgehalten wird, kann dadurch ein 24 Stunden Immunschutz erzielt werden. 
  • Blutgefäße: als Cofaktor für die Bindegewebsbildung zuständig und unterstützt die Reifung und Stabilität des Knorpels
  • Eisenstoffwechsel: verbessert die Eisenaufnahme – und die Verwertung
  • Histaminstoffwechsel: Es fördert den Histaminabbau und die Stabilität der Mastzellen
  • Nebenniere: es ist an der physiologischen Stressreaktion beteiligt
  • Vitamin C für die Wundheilung: Wundheilungsprozesse erfordern die Bildung und Einlagerung von Kollagen an der verletzten Stelle. Als wichtiger Cofaktor für die Kollagenbildung wird Vitamin C bei diesen Vorgängen vermehrt benötigt und wirkt entzündungshemmend. Die Wirkung wird bei gleichzeitiger Gabe von Zink noch verstärkt. 
  • Antioxidativer Schutz für Raucher: Rauchen geht mit einem erhöhten oxidativen Stress einher und ist mit niedrigen Vitamin C Plasmaspiegel assoziiert. Auch bei Rauchern zeigt Ester C einen Retentionseffekt in den weißen Blutkörperchen und gewährleistet einen 24 – Stunden Immunschutz. 
  • Die Bioflavonoide Rutin und Quercetin recyceln oxidiertes Vitamin C und agieren deshalb als Vitaminsparer und Vitaminverstärker. 

Ein Vitamin C Mangel erhöht das Risiko und die Schwere von viralen Infektionen, das Risiko für Membranschäden und die endotheliale Dysfunktion, sowie die Belastung mit Zytokinen.

Referenzwerte

Referenzwert laut Lebensmittelkennzeichenverordnung: 80 mg

Sicherheit des Nährstoffes

UL: Langfristige, tägliche Aufnahmemenge, bei der keine negativen Einflüsse auf die Gesundheit zu erwarten sind: 2000 mg/Tag

NOAEL: Maximale Aufnahmedosis, die in Studien keine schädigenden Auswirkungen verursachte: 10000 mg (= 10 g)

Erhöhter Bedarf: 

  • Sport
  • chronische Erkrankungen
  • AIDS/HIV
  • Arthrose
  • Diabetes mellitus
  • Tumoren
  • Nierenerkrankungen
  • Osteoporose
  • Rauchen
  • Stress
  • Alkoholabusus
  • Gastritis
  • chronische Magen – Darm – Erkrankungen

Besondere Risikogruppen:

  • Rauchen
  • Sport
  • chronische Erkrankungen

Ester C

Die Bioverfügbarkeit von Vitamin C nimmt mit der Höhe der zugeführte Menge ab. Aus diesem Grund wird bei einer oralen Einnahme, eine mehrmalige tägliche Aufnahme empfohlen. Die Tagesdosis sollte also auf mehrere Aufnahmen aufteilt werden. 

Eine klinische Studie konnte zeigen, dass Ester C den Vitamin C Status im Körper und in den weißen Blutkörperchen bis zu 24 Stunden nach der Aufnahme erhöht. Auch die bessere Verträglichkeit für den Magen, das reduzierte Risiko für eine Harnsteinbildung und die geringere Oxalatausscheidung im Harn, sind weitere Pluspunkte für eine Ester C Einnahme. Zudem kann mit niedrigeren Dosierungen gearbeitet werden. 

Mögliche Mangelsymptome

  • Allgemeinbefinden: Müdigkeit und Leistungsschwäche
  • Blut: hypochrome, mikrozytäre Anämie, Thrombozytopenie, Granulozytopenie, erhöhte Blutungsneigung
  • Immunsystem: Infekatanfälligkeit, Immundepression
  • Zahnapparat: Zahnfleischbluten, Gingivitis, Parodontose
  • Oxidativer Stress
  • Oxidationsschutz

Indikation

Zur Prävention: 350 – 500 mg /Tag

erhöhte Vitamin C Zufuhr bei einem gesteigerten Bedarf (Raucher, oxidativer Stress und bei Medikamenteneinnahme): 500 – 1000 mg/Tag

Therapiebegleitend bei Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten: 500 – 1000 mg

Prävention bei COVID – 19:

Orale Supplementierung mit 1.000 – 3.000 mg Vitamin C (Ester C, plus Quercetin, über den Tag verteilt

Vitamin C sollte zu den Mahlzeiten eingenommen werden. In sehr hohen Dosen können milde gastrointestinale Symptome wie Blähungen und Durchfall auftreten. 

Vitamin C darf bei folgenden Krankheiten nicht eingenommen werden:

  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
  • Niereninsuffizienz
  • Bei Oxalatsteinen

Interaktionen mit anderen Medikamenten

  • NSAIDS ( v. a Salicylate)
  • Kortikosteroide
  • orale Kontrazeptiva
  • Antiparkinsonmittel (L- Dopa)
  • Nitrate
  • Spurenelemente: Vitamin C wandelt Eisen in besser resorierbares Eisen um, langfristige Vitamin C Einnahme kann die Kupferresorption beeinträchtigen, in hohen Dosen kann es auch die Aufnahme von Natriumselenit beeinträchtigen
  • Vitamine: Vitamin C kann die Ausscheidung von Vitamin B6 und B12 verstärken
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Bioflavonoide erhöhen die Bioverfügbarkeit von Vitamin C

Literatur

Gröber, U. et al. (2020):Corona, Influenza & Co. – Stellenwert von Nährstoffen bei virusbedingten Atemwegserkrankungen, OM – Zs.f. Orthomol. Med. 18:6 -12

Gröber, U. (2020): COVID – 19 – Update für Senioren: Die Anti- SARS- CoV- 2 Eigenschaften ausgewählter Mikronährstoffe, Zs. f. Orthomol. Med. 18: 5-14

Gröber, U. (2021): COVID – 19 und Long COVID Bessere Resilienz durch immunrelevante Mikronährstoffe, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1. Auflage, S: 22- 35

Neidler, S. (2021): Handbuch der wichtigsten Mikronährstoffe, S. 30 – 32

Schmiedl, V. (2019): Nährstofftherapie, Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie, S: 153 – 157, 4. Auflage, Thiemeverlag

Shakoor h, Feehan J, AI Dhaheri AS, et al. Immunstärkende Rolle der Vitamine D, C, E, Zink, Selen und Omega 3 Fettsäuren: Könnten sie gegen COVID helfen? Maturitas.2021;143:1-9.