Quercetin - das unbekannte Flavonoid

Schlagworte: Quercetin, Flavonoide, Vitaminoide, Phytamine, Polyphenole

Quercetin gehört zu der Gruppe der Flavonoide, das vor allem in Obst, Blatt – und Wurzelgemüse sowie in einigen Getreidesorten enthalten ist. Es weist eine hohe antioxidative, antiinflammatorische, antikanzerogene, endothelprotektive und immunmodulatorische Eigenschaften auf.

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen besonders auf die präventive und therapeutische Wirkung von Quercetin hin: Zur Kardioprotektion, bei chronisch – entzündlichen Erkrankungen, zur Tumorprotektion, bei Diabetes, bei venösen Erkrankungen sowie bei viralen Atemwegserkrankungen. 

In den 1930 er Jahren wies der ungarische Biochemiker und Nobelpreisträger Albert Szent – Györgi auf die ernährungsphysiologische Bedeutung der Flavonoide hin. Er erkannte einen günstigen Effekt bei der Heilung von Gefäßschäden in der Behandlung des Skorbut. Er konnte auch nachweisen, dass Flavonoide aus Zitrusfrüchten eine erhöhte Permeabilität von Gefäßen und Zellmembranen wieder normalisieren können. Daher wurde die klassische Vitamin C Mangelerkrankung Skorbut in einer Kombination mit Flavonoiden effektiver behandelt, als mit einer alleinigen Vitamin C Gabe. 

Vorkommen in der Nahrung

Das Flavonoid gehört zur Gruppe der Polyphenole und kommt in der Natur als gelber Pflanzenfarbstoff, meist als Glycosid (z. B in Form von Rutin) vor. Flavonole sind in vielen Obstsorten, in Blatt – und Wurzelgemüse und in einigen Getreidesorten enthalten.  Die hellgelben Flavonolglycoside werden zum Teil unter Einwirkung von UV – Licht gebildet. Besonders hohe Gehalte findet man in manchen Apfelsorten, Zwiebeln, Petersilie, Salbei, Ginko bilboa, aber auch in echtem Buchweizen (-tee), grünem Tee, schwarzem Tee, Trauben, dunklen Kirschen und Beeren.  Da Quercetin hauptsächlich in der Schale vorkommt, ist es wichtig, das Obst und Gemüse mit der Schale (gut gewaschen!) zu verzehren.

Quercetin kommt besonders in Früchten wie Preiselbeeren, schwarzen Johannisbeeren, Zwiebeln, Schnittlauch und Grünkohl vor. 

Flavonoide übernehmen in der Pflanze antibakterielle und antivirale Aufgaben. Ihre Hauptfunktion ist der Schutz lebenswichtiger Zellbestandteile wie die Zellmembran oder ungesättigte Lipide vor der oxidativen Zerstörung durch Sauerstoffradikale.  Auch das in den Pflanzen gebildete Vitamin C wird durch das Quercetin vor der Oxidation geschützt. Dieser Effekt wird auch als der Vitamin – C- Spareffekt bezeichnet. 

Vitamin C haltige Produkte, die in der orthomolekularen Medizin eingesetzt werden, enthalten häufig eine Kombination aus Flavonoiden und Vitamin C.

Um eine ausreichende Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen gewährleisten zu können, sollten täglich mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse, aus nachhaltigem, biologischem Anbau, verzehrt werden. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfiehlt im Rahmen einer vollwertigen Ernährung, eine tägliche Aufnahme von 650 g Obst und Gemüse. 

Bioverfügbarkeit, Pharmakokinetik und die antioxidative Schutzfunktion

Ein Problem ist der partielle Abbau von Flavonoiden durch die Mikroorganismen der Darmflora. Flavonoide können im gesamten Gastrointestinaltrakt resorbiert werden. Dabei werden sie zum Teil durch Enzyme der Magen- Darm – Flora modifiziert. Quercetin reichert sich nach der Resorption besonders im Lungengewebe und im Gastrointestinaltrakt an. 

Quercetin schützt mehrfach ungesättigte Fettsäuren in der Zellmembran und bildet zusammen mit den Vitaminen C, E und dem Tripeptid L- Glutathion ein Redoxsystem. Dadurch wird die Wirkung aller beteiligten Antioxidantien verstärkt. Das aus den drei Aminosäuren Glutamat, Cystein und Glycin gebildete Tripeptid L- Glutathion (GSH) stellt für die Zellen unseres Organismus den wichtigsten antioxidativen Schutzfaktor dar. Quercetin erhöht den intrazellulären GSH Spiegel. 

Der antioxidative Schutz von Quercetin beruht nicht auf einem Abfangen der freien Sauerstoffradikale, sondern auf der Fähigkeit, prooxidativ wirkende Übergangsmetalle in Form von Metallchelat zu binden und zu inaktivieren 

Quercetin und COVID -19

Im Zusammenhang mit viralen Atemwegserkrankungen wie COVID – 19 sind vor allem die antiviralen, antioxidativen, antiinflammatorischen, endothelprotektiven, immunmodulierenden und antikanzerogenen Eigenschaften von Quercetin interessant.  In vitro und in vivo Studien zeigen auf, dass die protektiven Wirkungen des Flavonoids Quercetin zum einen über den Blutweg, zum anderen über die Beeinflussung des Darmmikrobioms erfolgen. 

Da sich Quercetin und Vitamin C in ihren antiviralen und immunmodulatorischen Eigenschaften überlappen, ist ihre Kombination sehr effektiv in der Prävention und der Therapie von Atemwegserkrankungen. Eine zentrale Rolle dürfte dabei die Blockade der Penetration von SARS – CoV 2 Viren  als auch von Influenza Viren über die Zellmembran in die Wirtszelle sein, welche man in vitro nachweisen konnte. Darüber hinaus kann Quercetin die Replikation des Virus hemmen und als das Protease Inhibitor das Schlüsselnenzym 3CL-Protease durch die Bindung an ihre GLN189 Seite hemmen. Die wenigen, bisher vorliegenden in vitro und in vivo Studien, machen Quercetin zu einem vielversprechenden Kandidaten unter den immunrelevanten Phytaminen im Kampf gegen COVID – 19. 

Dosierung in der Prävention:

200 – 500 mg Quercetin pro Tag zusammen mit Vitamin C für Senioren, Jugendlichen und Erwachsenen. 

Einnahme:

Quercetin sollte zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden. Nach bisherigem Kenntnisstand sind keine Nebenwirkungen oder Kontraindikationen bekannt. 

Bromelain (Wirkstoff Ananas) scheint die Wirkung von Quercetin zu verstärken. 

Literatur

Gröber, U. (2020): das Flavonoid Quercetin, Zs. f. Orthomol. Med. 18: 29 – 39, Thiemeverlag

Gröber, U. (2021): COVID – 19 und Long COVID Bessere Resilienz durch immunrelevenate Mikronährstoffe, S. 54 – 58, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart