Omega - 3- Fettsäuren

Schlagworte: Docosahexaaensäure, Doxosahexaaensäure, Eicosapentaensäure, Omega – 3- Fettsäuren

Weltweit sind über 1 Milliarde Menschen von einem diätetischem Mangel an maritimen Omega – 3- Fettsäuren betroffen. 

Für den Mangel gibt es verschiedene Gründe. Einer ist sicher, dass wir zu wenig Fisch essen, insbesondere solchen, der über die Omega – 3 – Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaaensäure (DHA) enthält.

Zu diesen Fischen gehören die Makrele, Thunfisch, Sardine oder der Lachs. 

Leider enthält der langlebige Thunfisch auch Quecksilber und organische Toxine, sodass man ihn nicht öfter als einmal im Monat verzehren sollte. Schwangere sollten ihn gar nicht essen. Lachs stammt meist aus Aquakultur. 

EPA und DHA verschwinden zunehmend aus unserer Ernährung, und wir bemerken es nicht. Die Folgen dieses Mangels stelle wir bereits jetzt fest: eine Zunahme an ADHS, Depressionen, Herzerkrankungen und Demenz. 

Während früher über 2/3 der Menschen an Infektionen starben, sterben sie heute an Alterskrankheiten. Demnach werden auch immer mehr Menschen immer älter, während immer weniger Junge unser Sozialsystem bedienen können. Dadurch werden die Zivilisationskrankheiten immer teurer und die Gesundheit zunehmend unbezahlbar. 

Der biochemische Prozess des Alterns

Altern ist ein biologischer, zeitabhängiger Prozess, der sich zwischen Erbanlagen, verschiedenen Umwelteinflüssen und Lebensstilfaktoren entwickelt. Unsere Gene bestimmen nur zu etwa 30% unsere Lebenserwartung. Die restlichen 70% werden von Faktoren wie:

  • gesunde Ernährung
  • Mikronährstoffe
  • regelmäßige, körperliche Aktivität
  • und soziale Kontakte bestimmt

Studien aus dem Bereich der Epigenetik zeigen auch, dass bereits der Stoffwechsel der Mutter während der Schwangerschaft darüber entscheidet, ob die Kinder später einen Altersdiabetes entwickeln, oder nicht. 

Nach der modernen Altersforschung ist es heute möglich, dass ein Mensch 140 Jahre alt werden kann. Diese Lebensverlängerung ist jedoch nicht immer gleichbedeutend mit Lebensqualität, aber gerade die Lebensqualität mache das Leben und das Alterns lebenswert. 

Im alternden Organismus kommt es zu verschiedenen physiologischen Veränderungen in Geweben und Organen, welche auch mit einer Abnahme bestimmter Funktionen gekoppelt sind. So kommt es beispielweise zu einer:

  • Zunahme altersbedingter Entzündungsprozesse (Inflammaging)
  • Störungen des Immunsystems (Immunoseneszenz),
  • Muskelverlust (Sarkopenie) einer
  • Proteinglykosierung (AGE Belastung, Entwicklung von Angio- und Neuropathien)
  • oxidativen und nitrostativen Stress (Anstieg von entzündungsfördernden Zytokinen wie Il – 6 und TNF alpha)
  • Anstieges des Homocystein
  • einem Ungleichgewicht auf der Ebene der Mitochondrien
  • und  einer Abnahme der Telomerlänge der Leukozyten

Eine altersbedingte Abnahme des Immunsystems und sich langsam entwickelnde, chronische Entzündungsprozesse im Körper, sind also der Ausgangspunkt für die altersbedingte Abnahme der Vitalität und die Entstehung der meisten chronischen Alterserkrankungen. 

Niederschwellige Entzündungsprozesse erweise sich als signifikante Risikofaktoren für die Gesamtmortalität, v. a bei Risikopatienten. 

Vor allem bei Sportlern können wir eines beobachten: Bei einem höheren Omega – 3- Index schreitet der beobachtete Abbau von Muskeln und Gehirn langsamer voran. Beim Muskel kann er gestoppt werden, während er bei Gehirn um 1/3 verlangsamt werden kann. Das bedeutet auch für das höhere Alter mehr Kraft, Beweglichkeit und weniger kognitive Einschränkungen. 

Fazit: mit einem höheren Omega – 3- Index altert man langsamer. 

Die Rolle von Omega - 3- Fettsäuren in der Ernährung

Entzündungsprozesse spielen eine Rolle bei der Entstehung und Weiterentwicklung von Altersprozessen und altersbedingten Erkrankungen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass den antientzündlichen wirkenden Omega – 3- Fettsäuren eine tragende Rolle in der Prävention und Gesundheitsförderung zugesprochen wird. 

EPA und DHA sind lebenswichtige Bestandteile jeder Zellmembran und für die Funktionalität der Zellen in jeder Lebensphase wichtig.  EPA und DHA können zwar im Körper aus der pflanzlichen Alpha – Linolensäure (ALA) gebildet werden, dennoch ist ihre Konversionsrate mit 0,5 – 5% sehr gering. 

Die antientzündliche Wirkung von EPA und DHA erfolgt auf verschiedenen, miteinander verlinkten Ebenen. 

Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre verdeutlichen eindeutig, dass die beiden Omega – 3- Fettsäuren eine unterschiedliche Wirkung haben. Während EPA insbesondere in die Bildung der entzündungshemmenden Eicosanoide fließt, besteht die Hautwirkung von DHA in der Erhöhung der Fluidität und der Permeabilität der Zellmembranen. Zusehends kann man auch eine Organpräsenz feststellen: Während EPA beispielsweise für die Leber ein wichtiger Ansprechpartner ist, Ist es von DHA die Retina des Auges und das Gehirn. Deshalb sollte ein Präparat bei kognitiven Einschränkungen einen eindeutig höheren DHA Anteil haben. Auch in der Prävention von Demenz, vor Verbesserung der Kognition bei Kleinkindern, Schülern oder Studenten, sollte ein DHA lastiges Präparat bevorzugt werden. 

DHA - Vorkommen in der Nahrung

DHA ist eine langkettige, mehrfach, ungesättigte Omega – 3- Fettsäure, die unser Körper in einem kleinen Ausmaß endogen synthetisieren kann. Das Gehirn kann DHA nur bedingt herstellen, andere Organe wie das Herz sind dafür überhaupt nicht ausgestattet. Eine Zufuhr von außen ist vor alle in Zeiten eines erhöhten Bedarfs notwendig. In unserer Ernährung kommt DHA reichlich in Kaltwasserfischen wie Thunfisch, Lachs, Makrele, Hering und Sardine vor. Diese lagern über den Verzehr von Mikroalgen und Kleinstkrebsen (Krill) Omega – 3- Fettsäuren in Form von EPA/DHA und ALA in der Zellmembran und Fettgewebe ein. 

Physiologische Effekte

  • Als Bestandteil der Zellmembran ist DHA für die Permeabilität und die Flexibilität der Zelle verantwortlich
  • In den Blutgefäßen führt DHA zu einer Gefäßerweiterung, reduziert die Entzündungsmarker, es kommt zu einer Reduktion der Thrombozyytenaggregation, zu einer systolischen und diastolischen Blutdrucksenkung und zu einer Steigerung der Durchblutung auf der renalen Ebene und zu einer Verbesserung der Mikrozirkulation
  • Im Herz – Kreislaufsystem hat DHA eine kardioprotektive Wirkung
  • Im Nervensystem ist es an der Gehirn – und Nervenentwicklung beteiligt, es wird in der Synthese von Dopamin und Serotonin benötigt, und beeinflusst auch die Entwicklung der Augenfunktion
  • Im Fettstoffwechsel senkt es die Triglyceride, verbessert die LDL Werte und erhöht die HDL Werte

Referenzwerte

Man geht von einem täglichen Bedarf an DHA von 100 – 200 mg (Mindestzufuhr), sowie 300 -400 mg (wünschenswerte Zufuhr) aus. Andere Quellen setzen eine Zufuhr von 8 g EPA/DHA pro Woche für Frauen und 10 g DHA pro Woche für Männer fest. Dies entspricht 1140 mg bzw. 1430 mg pro Tag. Zum therapeutischen Einsatz werden 3,5 g pro Tag empfohlen.

Der Omega 3 Index Marker ist der Prozentsatz zwischen EPA/DHA an einer Gesamtzahl von 26 gemessenen Fettsäuren. Er wird in den roten Blutkörperchen gemessen und ist eine Momentaufnahme. Ein Omega- 3- Index von unter 8 gilt als neuro – vaskulo- und kardioprotektiv. 

Die Einnahme von DHA sollte regelmäßig und zu den Mahlzeiten erfolgen, die Anwendung von DHA bei Patienten mit Gerinnungshemmern sollte unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, weil die Blutgerinnung moderat verlängert wird. Dadurch kann eine Dosisanpassung der Gerinnungshemmer erforderlich werden. 

Ein erhöhter Bedarf entsteht:

  • in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • im Wachstum
  • bei einem niedrigen Fischkonsum
  • bei entzündlichen und chronisch degenerativen Erkrankungen

Zu den Risikogruppen gehören also:

  • Menschen mit Allergien
  • Morbus Alzheimer
  • Multiple Sklerose
  • Psoriasis
  • rheumatoide Arthritis
  • Makuladegeneration
  • ADHS

Kontraindikationen:

  • akute Pankreatitis
  • Leberzirrhose
  • Gallenblasenentzündung
  • Gerinnungsstörungen

Mögliche Mangelsymptome

  • gestörte Flexibilität der Zellmembranen
  • trockene oder schuppige Haut
  • Vermehrte Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen. Diese begünstigen auch die Infektanfälligkeit 
  • Mangelhafte, embryonale ZNS Entwicklung durch einen verminderten Einbau von DHA in die Synapsen, mit einer, daraus resultierenden verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsstörungen bei Kindern, Auffälligkeiten in der Entwicklung und im Verhalten
  • erhöhtes Risiko für eine Arteriosklerose, ADHS,  Depressionen, Morbus Alzheimer

Interaktionen

  • Antikoagulantien
  • NSAIDs ( Ibuprofen, ASS, Diclofenac)
  • Psychostimulanzien
  • Cholesterinsenker
  • Glukosamin

EPA - Vorkommen in der Nahrung

EPA ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure aus der Familie der Omega – 3- Fettsäuren. In unserer Ernährung kommt sie vor allem in Thunfisch, Lachs, Makrele, Hering und Sardine vor. 

Physiologische Effekte

  • Als Bestandteil der Zellmembran ist sie für die Permeabilität der Zellen verantwortlich
  • Sie ist an der Bildung der entzündungshemmenden Eicosanoiden beteiligt und verdrängt die Arachidonsäure
  • EPA wirkt antithrombotisch, entzündungshemmend und gefäßerweiternd
  • Im Herz – Kreislaufsystem hat EPA eine kardioprotektive Wirkung
  • Im Nervensystem ist es an der Gehirn – und Nervenentwicklung beteiligt, es wird in der Synthese von Dopamin und Serotonin benötigt, und beeinflusst auch die Entwicklung der Augenfunktion
  • Im Fettstoffwechsel senkt es die Triglyceride, verbessert die LDL Werte und erhöht die HDL Werte

 

Die Referenzwerte, mögliche Mangelsymptome, Indikationen, Einnahme und Interaktionen entsprechen der der DHA. 

Fettsäuren und das Immunsystem

Seit Langem ist bekannt, dass Omega – 3- Fettsäuren unser Immunsystem beeinflussen.

So hat man bereits in den 1950 er Jahren bemerkt, dass Norweger welche im Inland leben, eine 6- fach höhere Inzidenz haben, an einer Multiplen Sklerose zu erkranken, als Bewohner der norwegischen Küste. Verantwortlich soll die Ernährung sein: Während sich Bewohner des Inlandes mehr von Fleisch und Milchprodukten ernähren (hoher Gehalt an Omega – 6- Fettsäuren), nehmen Küstenbewohner einen Großteil maritime Omega – 3- Fettsäuren zu sich.

Omega – 3- Fettsäuren wirken auf verschiedenen Ebenen auf unser Immunsystem. Genauso wie Vitamin D haben sie eine immunmodulierende Wirkung. Ein schwaches Immunsystem wird also angeregt, während ein überschießendes (z. B bei Autoimmunerkrankungen oder beim gefürchteten Zytokinsturm bei der COVID – 19 Erkrankung) besänftigt wird. 

Diese Wirkungen gehen von den beiden Fettsäuren EPA/DHA aus. Aus der Grundlagenforschung ist mittlerweile gut bekannt, dass aus EPA entzündungshemmende Hormone wie Leukotriene, Resolvine und Prostaglandine der Gruppe 3 entstehen, während DHA zur Bildung von entzündungshemmenden Faktoren wie Protectinen, Resolvinen und Maresinen führt. 

ALA wird nur nur Energiegewinnung verbrannt, nur ein kleiner Teil von weniger als 10% wird in EPA umgewandelt. 

Die Supplementierung von EPA/DHA unterstützt auch eine physiologische Darmflora, indem sie die Biodiversität der Darmmikrobiota fördern. Unter anderem Lactobazillen und Bifidobakterien beugen einer Darmpermeabilität vor, und verringern niederschwellige Entzündungen. Sie sind in der Lage zu einer gesunden Firmicutes/ Bacteriodetes – Ratio beizusteuern.

Unter den strukturellen und funktionalen Aspekten ähnelt das enterische Nervensystem (ENS) stark dem Gehirn. Beide haben den gleichen embryonalen Ursprung, benutzen dasselbe neuronales Netzwerk und kommunizieren auch darüber . 

Mittels des Nervus vagus kommuniziert das ENS ständig mit dem Gehirn. (Darm- Hirn- Achse). Auch die Darmflora tauscht Informationen mit dem Gehirn aus. Deswegen kann das Darmikrobiom direkt, über die vom ENS gebildeten Stoffwechselprodukte oder über eine Modifizierung des mikrobiellen Milieus, das Gehirn beeinflussen. Diese Regulation findet vorwiegend über die Sekretion von Acetylcholin oder den Katecholaminen statt. Die Freisetzung von Acetylcholin verringert die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen wie TNF Alpha oder Interleukin 6. Probiotika und Omega -3- Fettsäuren verbessern somit die Kommunikationsfähigkeit zwischen dem Darm und dem Gehirn. 

COVID - 19 und Omega - 3- Fettsäuren

In Regionen mit einem niedrigen Omega – 3 Index konnte höherer Mortalität festgestellt werde, als in Ländern mit einem höheren Omega – 3 – Index. Oxidativer Stress gepaart mit niedriggradigen Entzündungen, sind oft treibende Faktoren, welche in einer COVID – 19 Infektion münden.  Aufgrund dieser Hyperinflammation können massive Organschäden entstehen und führen oft zu einer erhöhten Mortalität. 

Eine Pilotstudie aus Kalifornien konnte zeigen, dass ein guter Omega – 3 Index die Mortalität und Morbidität von CIVID – 19 positiv beeinflussen kann. 

In einer ersten Interventionsstudie an 128 kritisch erkrankten Patienten, konnte durch die tägliche Supplementierung von 1000 mg Omega – 3 Fettsäuren die 1- Monatssterblichkeit auf der Intensivstation reduziert, als auch die Lungen- und Nierenfunktionsparameter verbessert werden. 

Als Prävention sollten täglich 1000 – 2000 mg Omega – 3 Fettsäuren aufgenommen werden. Omega 3- Fettsäuren gehören zu einer Kategorie an Fettsäuren, welche als GRAS (Generally Recognized As Safe)  bezeichnet werden. Die Sicherheit von EPA/DHA bis zu 5 g täglich, wird auch von der European Food Safety Authority ( EFSA) bestätigt. Zur optimalen Wirksamkeit, sollten Omega – 3- Fettsäuren immer mit Tocopherolen kombiniert werden. 

Literatur

Gröber, U. (2020): Healthy Aging: Gesundheit im Alter ist ein Zufall Teil 1: Pathochemie des Alterns und die Bedeutung von Omega – 3- Fettsäuren, Zs.f. Orthomol. Med. 18: 22-28, Thiemeverlag

Schacky, C. (2021): Omega – 3- Fettsäuren – gesundheitliche Effekte und Diagnose des Mangels, Zs. f. Orthomol. Med. 19: 4-6, Thiemeverlag

Schmiedel, V. (2021): EPA oder DHA- das ist hier die Frage, Zs.f. Orthomol. Med. 19: 7- 9, Thiemeverlag

Gröber, U. (2021): COVID – 19 und Long COVID Bessere Resilienz durch immunrelevante Mikronährstoffe, S: 76 – 82, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart